Via Francigena Anreise  Dienstag, 1. Mai 2007

Meine Pilgerreise von Canterbury nach Rom beginnt mit der Anreise mit dem Auto von Pirmasens zum Flughafen Hahn/Hunsrück. Nach der Verabschiedung von der Familie fliege ich mit der Ryanair (für €18,65) nach London-Stansted. Ursprünglich wollte ich mit der Bahn nach Canterbury anreisen, doch allein die Preisauskunft kostet bei der DB schon €1,68 pro Minute. Von London-Stansted geht es einfach per Bus zum Bahnhof London-Victoria und von dort mit der Bahn nach Canterbury-East. Ein kurzer Fußmarsch bringt mich zu meiner, schon Zuhause reservieren, Unterkunft “Kipps Hostel”.

Der Rest des Tages verbringe ich mit der Besichtigung von Canterbury. Frau Therese Heslop vom Head of Visitor Services der Cathedrale arrangiert für mich die Verabschiedung und den Pilgersegen für den nächsten Tag.

 

Abflug Hahn Familie Deutschland
Fotos Via Francigena
Anreise

Via Francigena 1.Tag  Mittwoch, 2. Mai 2007

Nach Übernachtung und Frühstück ging er zu der wunderschönen Kathedrale von Canterbury. Dort erhielt er am Eingang der Kathedrale an einem Stein der den Beginn des Pilgerweges kennzeichnet den Pilgersegen. Dann nahm er an der Pilgerweihe gemeinsam mit einer holländischen Gruppe teil. Dies ist ein besonderer Auftakt für den langen Weg nach Rom gewesen. Die Besichtigung der Kathedrale, ein Meisterwerk der Gotik, bekannt durch die Geschichte schloss sich an.
 Danach pilgerte er den alten Pilgerweg von Canterbury durch die fruchtbare Landschaft von Kent. Unendliche Rapsfelder, eine wellige Landschaft, ziemlich einsam, und immer wieder Romanische Kirchen aus gebrochenem Flintstone und lange Asphaltwege führen zu dem maritimen Dover. Die Cliffs am Meer waren sehr beeindruckend, steil und hoch. Es ist 19.30 Uhr und die Fähre nach Calais legt gleich ab. Die kommende Übernachtung ist bereits gebucht und die Füße schmerzen durch den vielen Asphalt. Durch teils schlechte Beschilderung zog sich der Weg in die Länge.
Gelaufene Kilometer: 30

02.05.2007, 22:00

Kathedrale von Canterbury, Segen und Verabschiedung Region South East England  Grafschaft Kent England
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1. Tag

Via Francigena 2.Tag  Donnerstag, 3. Mai 2007

Die heutige Etappe begann in Calais und endete in Guînes. Von Calais aus ging es am Meer entlang durch Dünen, vorbei an Periot, Sangate, der Einfahrt zum Kanaltunnel, weiter am Strand entlang, der zugepflastert war mit deutschen Bunkern aus dem Krieg. Vorbei ging es am Mont Hubert, der letzten Station des Bischofs Sigeric von Canterbury, als er von Rom zurück nach England ging. Der Weg verlief dann landeinwärts, alle auf dem Weg liegenden Unterkünfte waren geschlossen, so dass Hermann  bis Guines laufen musste. Dort kam er dann auf einem Campingplatz in einem Mobilheim unter, das gut ausgerüstet ist. Die dortige Logis de France die er eigentlich ansteuerte ist noch im Aufbau und der Verantwortliche freute sich, dass er ihm ersatzweise dieses Mobilhome anbieten konnte. Er sagte, er wäre der erste Pilger, der bei ihm angekommen sei, obwohl er schon lange im Verzeichnis für Pilger eingetragen sei.

Insgesamt freut sich Hermann dass er nun in Frankreich ist, die gemütliche freundliche und hilfsbereite Art sagt ihm sehr zu, bei einem Kaffe kommt man sich näher, das verdrängt die ersten zwei Blasen die sich heute nach 33 km mit sehr viel Asphalt eingestellt haben. Mit einer Snackbar vor der Tür und einem gemütlichen Heim mit Dusche und allem Drum und Dran wird er den zweiten anstrengenden Tag abschließen.
Gelaufene Kilometer: 33
Wetter: bedeckt, starker Wind

03.05.2007, 21:30

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2. Tag

Via Francigena 3.Tag  Freitag, 4. Mai 2007

 Der Morgen begann mit einer Überraschung, die Übernachtung in dem schönen Mobilheim kostete gerade mal 10 €.
Gut gelaunt besuchte er den Markt in Guines, und setzte seinen Weg trotz noch schmerzender Füße fort. Dieser führte über die D215 bis zur Bahnlinie des TGV, ca. 7 km, durch schöne Wälder nach West-Qeuse, dann die GR28 durch den Wald nach Andenfort bis zu dem kleinen Dorf Mentqoue-Nortbecourt.

Dieser kleine Ort mit ca. 300 Einwohnern bietet eine vorzügliche Gité, mit 2 Schlafzimmern, Wohnzimmer, Küche und Bad. Abendessen und Frühstück werden dort auch angeboten. Die Gegend ist eine sog. Schichtstufenlandschaft, d.h. es geht steil hoch und langsam bergab immer wieder.

Besonderes: 1 Alt- und 1 Jungbauer gehen über das Feld, knien sich und schnuppern auf der Erde, das gerade gekeimte Korn zeigt schon vertrocknete Spitzen.
Gelaufene Kilometer: 21
Temperatur 14 Grad

04.05.2007, 19:15

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3. Tag

Via Francigena 4.Tag  Samstag 5. Mai 2007

 Nach Verlassen der empfehlenswerten Gîte morgens um 9.15 Uhr führte der Pilgerweg nach Wisques. Eine etwas langweilige Landschaft und der größte Teil der Strecke nur Asphalt, das freute die schon etwas lädierten Füße. Es gab keine besonderen Vorkommnisse, die Strecke war öd und sehr dünn besiedelt. Da bot sich nach 15 km eine Übernachtungsmöglichkeit in einer Hostellerie, die für Pilger einem Kloster angeschlossen war. Er nahm dort an einem lateinischen Gottesdienst mit ca. 30 Nonnen teil. Danach gab es als Essen ein undefinierbares rotes Gemüse
Gelaufene Kilometer: 15
Wetter: Morgens 11 und abends 10 Grad

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4. Tag

Via Francigena 5.Tag  Sonntag, 6. Mai 2007

 Nach einem selbst zubereiteten Frühstück am Morgen in der Küche und 20 Euro Spende begab sich Hermann um 7:30 Uhr auf Tour. Sie begann von Wisques nach Wizernes. Dort befindet sich eine deutsche Abschussbasis DV1, die noch vollständig erhalten ist. Weiter auf der Chaussee Brunnehaut, einer alten römischen Straße die im Mittelalter von Königin Brunnehaut restauriert wurde. In Estrée Blanche wurde eine Pause eingelegt und die Verpflegung vervollständigt.

Danach in  Auchy-au-Bois reservierte ihm die Wirtin in einer Gaststätte telefonisch die kommende Unterkunft in Amettes. Dort befindet sich auch Geburtshaus des hl. Benoit, geb. 1748, der nach Rom pilgerte und 1783 verstorben ist. Er wird sehr verehrt und das Geburtshaus ist inzwischen zu einer Pilgerstätte geworden.

Hermann befindet sich jetzt in seiner vorreservierten Gite, die sehr angenehm ist und pflegt seine strapazierten „Asphaltfüße“.
Gelaufene Kilometer: 30
Wetter:10 Grad; bedeckt, es sieht sehr nach Regen aus

06.05.2007, 20:30

21 Amettes Gite klein
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5. Tag

Via Francigena 6.Tag  Montag 07. Mai 2007

Von Amettes nach Chamblain-l´Abbé führte die heutige 29 km lange Strecke in ständiger Begleitung von Regen und Regen…

Hosen und alles sogar der Geldbeutel waren durchgeweicht. Im dortigen College von St. Jean übernachtete er. Abends wurde ein Theaterstück aufgeführt in dem es um militärische Spiele ging und von dessen Inhalt er leider nichts verstand. Die Landschaft ist sozusagen bretteben, leicht wellig und links rechts vorne und hinten nichts als Getreidefelder. Die Unterkunft war sehr heruntergekommen, kein warmes Wasser, keine Heizung und nicht gerade sauber, dafür kostete es nichts. Keine besonderen Vorkommnisse.
Gelaufene km: 29
Wetter: Starker Wind und Regen

 

05 Chamblain l'Abbé Ecole St-Jean-Baptiste de la Salle Hospitalero klein
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6. Tag

Via Francigena 7.Tag  Dienstag 08. Mai 2007

 Um 7.30 Uhr startete Hermann weiter auf der N 17 von Chamblain-l´Abbé  zunächst nach Arras LXXV einer wunderschönen Stadt mit einem auffällig tollen  Bürgermeisteramt und davor liegendem beeindruckendem Platz. Natürlich war die ganze  Stadt auf den Beinen, da ja heute französischer Feiertag war. Mit einem Defileé von Militär, Gendarmerie, Offizieren und der Gemeinde feierte die ganze Stadt mit ihren Märschen und ihren blinkenden Ausgehuniformen. Die Jugendherberge war von 11-17 Uhr geschlossen, ebenso die zweite Anlaufadresse, so dass sich Hermann entschloss, weiterzulaufen bis nach Bapaume. Immer der Chausseé Brunnehaute entlang kerzengerade, so dass heute 39 km (ohne die Umwege) zusammenkamen. Im Pfarrhaus fand er dann Unterkunft und erfreute sich an seinen Füßen, die sich inzwischen an den Asphalt gewöhnt hatten und wieder in Ordnung waren.   

Erwähnenswerte Vorkommnisse: In Beaurainse Mittag gegen 14.00 Uhr machte er Pause in einer Gaststätte. Die anwesenden Gäste dachten er wäre Engländer und  versuchten sich mit ihm in englisch zu unterhalten, als er jedoch sagte er sei Allemagne, freuten sich alle und redeten mit ihm mit Händen und Füßen. Sie waren alle sehr nett und hilfsbereit und zum Abschied sangen sie ihm ein Lied.
Gelaufene km: 39
Wetter bedeckt, stürmisch, Westwind.

08.05.207, 23:00

12 Mont Saint Eloi Kirche Ruine klein
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7. Tag

Via Francigena 8.Tag  Mittwoch, 09.Mai 2007

Am Morgen um 8.00 Uhr verließ Hermann gestärkt mit einer Tasse Kaffee das Pfarrhaus. Eine Bezahlung wurde strikt abgelehnt. Es regnete in einem fort und nach 3 Stunden war die Kleidung durchgeweicht, sogar die Unterhosen. Selbst die extra  Regenhose und Jacke hielten dieser Regenschwemme nicht stand. Es regnete in die Stiefel, vorn in die Jacke und die Wanderkarten und Führer sind nun auch ziemlich hin, so dass wir neue ausdrucken und nachsenden werden. Die Landschaft änderte sich nicht. Eine Pause in einer Gaststätte unterbrach die Nässe und nach 28 km kam er in Peronne, einer sehr schönen Stadt um 14.30 Uhr an. Was nachdenklich stimmt sind die vielen Soldatenfriedhöfe und Monumente in dieser Gegend. Nach Betrachten der Grabsteine fiel das Alter der Soldaten auf, die meisten um die 20 Jahre, einige etwas älter, sehr wenige höchstens 30 Jahre.

Im Hotel Picardie in St. Quentin nimmt er jetzt sein Abendessen und kann nur hoffen, dass die Kleidung über Nacht trocknet, denn geheizt wird auch dort nicht.
Gelaufen km: 28
Wetter: Regen, Regen, 14 Grad und stark windig.  

09.05.2007, 21:00

01 Peronne vor Englischer Soldatenfriedhof klein
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8. Tag

Via Francigena 9.Tag  Donnerstag, 10.Mai 2007

 Am frühen Morgen verließ Hermann Peronne mit z.T. feuchten Kleidern und noch nassen Wanderstiefeln. Die Übernachtung kostete in diesem Hotel einschl. Frühstück und Abendessen 49,70 Euro. Immer noch windiges Wetter begleitete ihn nach Serancourt-le-Grand (nahe St-Quentin). Er lief heute Nebenstrecken, die sich sehr gut gingen, kaum Autoverkehr und die wenigen die kamen waren sehr rücksichtsvoll; aber immer wieder Asphalt, da freuten sich die Füße. In Roupy befindet sich ein großer Bahnhof und eine Eisenbahnbrücke, aber weit und breit keine Gleise. Die ganze Strecke war wieder sehr eben mit wunderschönen kerzengerade gefurchten Äckern (per Satellit).  An einer riesigen Konservenfabrik kam er vorbei „Bonduelle ….“

In Serancourt-le-Grand angekommen suchte er das Touristik-Info wo ihm die hiesige Gité angeboten wurde. Der Bürgermeister empfing ihn sehr herzlich und freute sich, den ersten Pilger im Ort beherbergen zu dürfen. Er kennt auch Kaiserslautern, wo er  Militärfreunde hat und sprach deutsch, so dass eine gute Unterhaltung zustande kam. Die Gite mit mehreren Schlafzimmern Küche, Bad, Waschmaschine etc. ausgestattet bewohnt er nun heute Nacht allein. Nach Wäsche waschen, Duschen und einer Tiefkühlpizza im Backofen kann er sich nun erholen. Eine Pflicht hat er noch, der Bürgermeister bat ihn, sich als erster Pilger ins Gästebuch einzutragen.  

Zu bemerken ist noch, dass Serancourt die 73. Station war, die der Erzbischof Sigeric von Canterbury anno 989 auf der Rückreise von Rom nach Canterbury anlief.  
Gelaufene km: 29
Wetter: Wanderwetter, windig
Temperatur: 14-17 Grad

10.05.2007, 21:30

17 Serancourt-le-Grand Gite klein
Fotos Via Francigena
9. Tag

Via Francigena 10.Tag  Freitag, 11. Mai 2007

  Der Bürgermeister ließ es sich nicht nehmen noch ein Foto vom 1. Pilger in der dortigen zu Gite machen. Hermann bedankte sich nochmals für die herzliche Aufnahme und kostenlose Unterbringung und machte sich auf den Weg. Nach Deuillet kam eine große bekannte Glasmanufaktur, dann ca. 100 m hoch und nach der bisherigen langen Ebene folgte der bekannte Wald von St. Gobain. Ein Wald ähnlich dem Pfälzer Wald oder Vogesen. Heimische Gefühle überkamen ihn und da ließ es sich dann auch gut laufen.

In Bertaucourt machte er Pause in einer kleinen Gaststätte und versorgte seine Füße. Der linke Fuß ist o.k., aber rechts sind noch einige Blasen zu behandeln.

Drei Hunde in diesem Haus folgten seinem Geschehen und ein ganz vorwitziger wollte unbedingt seine Stiefel und Socken kassieren, so dass ein Tauziehen stattfand, das fand der Wirt nicht sehr lustig und ermahnte den Hund, aber Hermann spielte mit, wenn er schon nicht mit seinem eigenen Hund spielen kann.

Überhaupt ist es in dieser Gegend (Picardie) üblich: überall Hunde als wäre es selbstverständlich.

Angekommen in St. Gobain war man im Bürgermeisteramt sehr nett und freundlich, aber das Hotel und die Gîte waren geschlossen. Ein Angestellter wollte Hermann zu seinem Sohn zur Übernachtung schicken, aber da hätte er 7 km zurückgehen müssen. So entschloss er sich weiter zu laufen bis Cessiéres. Ein junger Mann zeigte ihm den Weg zur Gîte. Der dortige Hausherr empfing ihn sehr zuvorkommend und nett. Er besitzt deutsche Sprachkenntnisse, die er in Speyer beim franz. Militär erworben hatte. Die Gîte war von außen ein altes vernachlässigtes Haus, aber innen total herausgeputzt, ausgestattet mit teuren Möbeln, Soufflenheimer Geschirr, 3 tollen Schlafzimmern, Bad einmalig und einer anspruchsvollen Gaststätte. Bleibt abzuwarten was die Übernachtung kostet…man(n) hat es sich auch verdient nach 40 gelaufenen Kilometern.
Heute war Wanderwetter und der Weg zu bezeichnen als 1. STÜCK WANDERWEG!
Gelaufene Km: 40
Wetter: durchwachsen

12.05.2007, 06:00

21 Cessières Restaurant Kuckucksuhr klein
Fotos Via Francigena
10. Tag